Warschau

DAS NGW IN WARSCHAU: Mittwoch, 04.03.2020

Dieser Mittwoch war der dritte Tag unserer Reise und ich hatte das Gefühl, dass wir uns mittlerweile schon gut eingelebt hatten. Die anfängliche Schüchternheit der Teilnehmer auf polnischer und deutscher Seite schien beinahe ganz vergessen. Ich persönlich freute mich nicht besonders auf diesen Tag, bei dem es nur um das Genie am Piano, Chopin gehen sollte. Als Musiklaie hatte ich nie verstanden, was so besonders an dieser Person sein sollte, dessen Werke mir im Vergleich zu Beethoven oder Mozart eher total chaotisch und merkwürdig erschienen. Nichts desto trotz war ich offen dafür, mich eines Besseren belehren zu lassen. Und dafür sorgten die polnischen Schülerinnen und Schüler. 

Abgeholt wurden wir wie so oft an der Schule mit dem Bus, um ins Zentrum von Warschau zu fahren. Dort bekamen wir eine private Führung durch das Zentrum der Stadt, vorbei an zahllosen Prachtbauten, welche ich dem ehemals zerstörten Warschau gar nicht zugetraut hätte. Geführt wurden wir natürlich durch unsere polnischen Gastgeber, die uns mithilfe von multimedialen Bänken die Bedeutung von Chopin als großes Vorbild der Stadt auf Englisch und Deutsch deutlich machten. Besonders interessant fand ich die Tatsache, dass man sein Herz in der Heilig-Kirche aufbewahrt. Was zum einen die Begeisterung der Warschauer verdeutlicht, aber zum anderen auch die Frage aufwirft, ob der Pianist selbst damit einverstanden war, dass Teile von ihm in einer Kirche ausgestellt werden.

Nach so vielen spannenden Fakten rund um Musik und Warschau, kam eine Pause gegen Mittag genau richtig, in der die Schüler sich frei in der Stadt bewegen konnten. Zur Stärkung wurden Frau Wempen und ich direkt auf einen warmen gefüllten Schoko-Berliner eingeladen. (Wobei dieser eher Schoko-Warschauer heißen müsste.) Zusätzlich haben wir noch zusammen mit der Gruppe eine Manufaktur für Süßigkeiten besucht, in der erste Geschenke für Zuhause gekauft wurden.

Gut gestärkt ging es zum Abschluss unserer Tagesfahrt in das Frédéric-Chopin-Museum Warschau. Hier konnten wir in einer sehr modern angelegten Ausstellung die Geschichte und Bedeutung von Chopins Musik individuell erfahren. Weiterhin bekamen wir auch die Möglichkeit, in einer privaten Führung mehr über das Privatleben dieser lebenden Legende zu lernen, der als Frauenschwarm und strenger Lehrer neben seiner Schaffenskraft als Komponist sowohl verehrt als auch gefürchtet wurde. Ich konnte mir zunächst kaum vorstellen, dass unsere jungen Teilnehmer sich für klassische Musik begeistern könnten. Aber kaum war die Führung vorbei, sah ich die Teenager mit den Kopfhörern auf den Ohren, dem Klavier lauschen. Man lernt nie aus.

Zurück bei der Schule verabschiedeten wir Lehrer die Schülerinnen und Schüler zurück in die Familien. Während diese sich abends zum Bowling verabredet hatten, wurden wir als Krönung des Tages zu einem Chopinkonzert eingeladen, bei dem eine Pianistin uns zuletzt noch einmal auf einem Flügel in die Welt des Chaos von Chopin entführte. Jedoch kam es mir nach diesem Tag so vor, als wenn ich dieses Mal ein bisschen Ordnung in diesem Chaos erkennen konnte.

Von: Herr Lanfer