Bericht

Helle Zukunft auf 137 Pfählen

NEUES GYMNASIUM Richtfest am Mühlenweg – Selbst in Leipzig Interesse am Neubau

Seit dem 1. August sind die beiden bisherigen Gymnasien formal zusammengelegt. Die Arbeiten für das gemeinsame Gebäude am Mühlenweg liegen im Zeitplan.

WILHELMSHAVEN/GB – Ein Dachstuhl ist nicht zu sehen, wohl aber ein Richtkranz. Das Neue Gymnasium Wilhelmshaven hatte gestern Grund zu feiern. „Die Arbeiten sind im Zeitplan“, konnte Oliver Leinert, Betriebsleiter des Eigenbetriebs Grundstücke und Gebäude der Stadt Wilhelmshaven (GGS), verkünden. Damit stehen die Chancen gut, dass das Gymnasium, das derzeit auf die Standorte Schellingstraße (Ausweichquartier des bisherigen Gymnasiums am Mühlenweg) und tom-Brok-Straße (ehemals Käthe-Kollwitz-Gymnasium) aufgeteilt ist, zum kommenden Schuljahr ihr neues Gebäude beziehen kann. Ein technisches Detail: Für den Neubau wurden 137 Tiefgründungspfähle in den Boden gerammt.

Die Identität der Schule, die seit dem 1. August formal besteht, werde sich erst im neuen, gemeinsamen Gebäude entwickeln können, sagte Schulleiterin Anke Steckhan, die die Vorfreude der ganzen Schule auf das neue Gebäude zum Ausdruck brachte. Mit Blick auf die schwierige Vorlaufphase erklärte sie: „Wilhelmshaven verlangt viel von uns, gibt uns aber auch viel zurück“. Ihren Dank an die Architekten verband sie mit einem weiteren Dank an Rat und Verwaltung.

Oberbürgermeister Andreas Wagner bezeichnete den Bildungscampus am Mühlenweg als einen der derzeitigen Arbeitsschwerpunkte. Er sei auch zentral für die weitere Schulentwicklungsplanung. Die vorgesehenen Gesamtkosten von 15 Millionen Euro seien gut angelegt. Wagner verwies auf den deutlich verringerten Platzbedarf des Gymnasiums mit allen Folgekosten in der Unterhaltung der Gebäude. Die bisherigen Gymnasien nahmen insgesamt rund 35 000 Quadratmeter in Anspruch, das Neue Gymnasium wird eine Bruttogeschossfläche von 18 000 Quadratmetern haben.

Für die weitere Schulentwicklungsplanung im Bereich Grundschulen und Oberschulen gelte es, nicht Klientelpolitik zu betreiben, sondern das Wohl der Kinder im Auge zu haben.

Der Gymnasiumsneubau in Wilhelmshaven stoße weit über die Stadt hinaus auf Interesse, berichtete der Architekt Prof. Frank Hausmann. Dabei werde auch er nicht nur nach architektonischen Gesichtspunkten gefragt. So sei jüngst bei einem Vortrag in Leipzig vor allem der Prozess von Interesse gewesen, in dem zwei bislang getrennte Gymnasien zu einem verschmolzen werden.

Einzelheiten zur Gestaltung des Gymansiums hatte Hausmann am Donnerstagnachmittag schon dem Schulausschuss des Rates vorgestellt. Helle, funktionale Klassenräume mit Gruppenräumen, Ringflure mit Aufenthaltscharakter, Lehrerzimmer und Lehrerarbeitszimmer, ein besucherfreundliches Sekretariat gehören ebenso dazu wie eine Aula mit 480 Plätzen und modernster Bühnentechnik.

Erhalten bleiben die bereits sanierten naturwissenschaftlichen Fachräume. Die frühere Aula des GaM wird zur einladend gestalteten Bibliothek. Von der Bühne werde das Portal erhalten bleiben.

© Wilhelmshavener Zeitung vom 8. September 2012, Seite 3

 

Kommentar

Gymnasium als Beispiel

VON URSULA GROSSE BOCKHORN

Mit dem Neuen Gymnasium setzt Wilhelmshaven wirklich Zeichen. Nicht nur architektonisch entsteht am Mühlenweg Beispielhaftes, das weit über die Stadt hinaus Beachtung findet.

Beispielhaft ist nicht zuletzt der Prozess, in dem zwei Schulen zusammenwachsen. Dieser Prozess ist mühsam und zeitaufwändig. Er zeitigt nur deshalb Erfolg, weil die Betroffenen mehr als nur pflichtgemäß beteiligt werden. Ihnen wurde  Gelegenheit gegeben, ihre geballte pädagogische Kompetenz einzubringen. Und es verdient höchste Anerkennung, wie alle Beteiligten diese Chance wahrgenommen haben.

Wenn von der Baustelle am Mühlenweg Beispielhaftes für die weitere Schulentwicklungsplanung abzuleiten ist, ist es genau das: Entscheidungen sind nicht in parteipolitischen Hinterzimmern festzuzurren, sondern in vertraulicher und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Betroffenen. Die Vertreter aller Schulformen haben immer wieder bewiesen, dass sie konstruktiv und sachorientiert an der Weiterentwicklung des Schulwesens in dieser Stadt mitzuarbeiten bereit sind.

Wilhelmshaven muss nun zeigen, ob Grund-, Haupt- und Realschüler den politisch Verantwortlichen das gleiche mühsame, zeitaufwändige, aber erfolgreiche Verfahren wert sind. Und nicht zu vergessen: die Förderschüler. Die Bedenken gegen die Zusammenlegung von Wasserturm- und Herbartschule an der Schellingstraße verdienen es, ernst genommen zu werden. Ist der Bildungscampus wirklich der bestmögliche Platz für die leistungsschwächsten Schüler?

© Wilhelmshavener Zeitung vom 8. September 2012, Seite 3

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