„SCHULE Käthe-Kollwitz-Gymnasium bringt Glocke, Sternwarte und viel Tradition in das künftige Neue Gymnasium ein“

„Am 31. Juli endet offiziell die Geschichte des Käthe-Kollwitz- Gymnasiums. Als Standort tom-Brok- Straße kann die Schule noch ein Jahr fast wie bisher weiterarbeiten.“

VON URSULA GROSSE BOCKHORN

„WILHELMSHAVEN – Wenn Anke Steckhan über ihre Schule spricht, redet sie vor allem von der Zukunft. Seit acht Jahren leitet sie das Käthe-Kollwitz-Gymnasium. Mit Freude, wie sie sagt. Und sie habe auch gar nichts anderes werden wollen. Aber sie tut es, rein formal, nur noch bis zum 31. Juli. Danach gibt es das KKG nicht mehr, nur noch für ein Jahr den Standort tom- Brok-Straße des Neuen Gymnasiums Wilhelmshaven (NGW). Und Anke Steckhan bleibt für ein Schuljahr an ihrem Schreibtisch, steht dann aber an der Spitze des zusammengelegten Gymnasiums.

Anders als am GaM wird zum Schuljahrsende am KKG ein ganz normales Sommerfest, kein Abschiedsfest gefeiert. Warum auch? Es ändert sich erst einmal kaum etwas außer dem Namen und dem Schild am Haupteingang. Den schmerzhaften Abschied erwartet die Schulleiterin erst in einem Jahr, wenn der Auszug aus dem Gebäude ansteht. „Das wird nicht einfach.“ Gleichwohl, die Zukunft hat schon begonnen. Die ersten Fünftklässer des NGW werden bereits gemeinsam unterrichtet – an der tom Brok-Straße. Und während am Mühlenweg alte Kasernen zu einem Gymnasium umgebaut werden, das neuesten Standards gerecht wird, ist die konzeptionelle Planung umsetzungsreif. „Der Fusionsprozess ist vollzogen. Inhaltlich sind wir fertig“, sagt Steckhan. Seit 2009 arbeitet die aus beiden Schulen paritätisch besetzte Steuerungsgruppe, Schulvorstände und Gesamtkonferenzen haben bereits gemeinsam getagt. Ein aufwendiger Weg, der aber den Neustart im neuen Schuljahr erleichtert.

Zwar müssen viele Beschlüsse von den dann neu zu bildenden Gremien neu gefasst werden, doch das ist dann eher Formsache. Das Zusammengehörigkeitsgefühl muss erst wachsen, so wie die Schule allmählich ein Profil entwickeln und dann den dazu passenden Namen finden muss. Aber bei Eltern, Schülern und Lehrkräften beobachtet die Schulleiterin eine positive Grundbereitschaft.

Dass vorläufig noch an zwei Standorten gearbeitet werden muss, bedeutet für die Schule zusätzliche Mühsal. Die Verwaltung muss auf zwei Stellen verteilt werden, Steckhans Stellverterin Renate Domanske wechselt als Standortleiterin ins provisorische GaM-Gebäude an der Schellingstraße. Aber für ein Jahr sei das alles erträglich, weil sich die Mühe lohnt.

Offenes Ganztagsangebot, 90-Minuten-Lerneinheiten statt der 45-Minuten-Stunde und eine nach Einschätzung Steckhans hervorragende Ausstattung: Eine komplett neue Schule erleichtert den Abschied vom Liebgewordenen. Nicht nur die sinkenden Schülerzahlen sprechen für die Fusion. Mit den künftig attraktiven Arbeitsbedingungen, die landesweit ihres gleichen suchen, hofft die Schulleiterin, gute Lehrer an ihre Schule locken zu können. In manchen Fächern sei es selbst in Hannover schwer, die pensionsbedingt entstehenden Lücken zu schließen. Wilhelmshaven hat da oft das Nachsehen.

In der ganz neuen Schule soll aber das Käthe-Kollwitz- Gymnasium mit seinen Traditionen nicht verloren gehen. Der Schwerpunkt Theater gehört dazu ebenso wie die Präventionsarbeit. Die Teleskope der schuleigenen Sternwarte kommen künftig im Inselheim Rüstringen auf Wangerooge zu neuen Ehren, für Anke Steckhan ein gutes Beispiel, wie sich zwei Traditionen aufs beste mit einander verbinden lassen. In der geplanten MINT-Klasse (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) soll der traditionsreiche Astronomie- Bereich wiederbelebt werden. Selbst für die Schulglocke aus den alten Tagen der Königin- Luise-Schule hat noch lange nicht das letzte Stündlein geschlagen. Wie am KKG soll sie auch am NGW das neue Schuljahr einläuten.“

© Wilhelmshavener Zeitung vom 13. Juli 2012, Seite 6

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